27.05.2014 - Herzlich Willkommen Lotti

Jeder der ein paar Tierfreunde im Facebook auf der Freundesliste hat, wird genau wissen wovon ich spreche… diese ganzen armen Tiere, diese ganzen lieben Hunde die ein Zuhause suchen. Diese übervollen Tierheime, diese Menschen die ihre Hunde achtlos abgeben oder schlecht behandeln. Die politischen Probleme mit Straßenhunden und diese ganzen blinden Menschen, die davor die Augen verschließen (und sich lieber einen teuren Rassehund kaufen…)

Ich wollte einen kleinen Schritt tun, der so einem Hund das Leben verändern könnte. Ich musste nicht lange fragen oder mich bewerben, es reichte eine kleine Äusserung bei den richtigen Leuten: "ich würde auch so einen Hund nehmen, als Pflegestelle. Zur Vermittlung."

Aber nicht irgendeinen. Ich wollte so einen ganz armen, einer, der nur ein Auge hat oder eine schiefe Nase oder nur 3 Beinchen. So einer, der immer sitzen bleibt und den keiner haben will.

Aber so ist das nicht. Oft bleiben die Hunde sitzen, die einfach "ganz normal" sind. Die kein besonderes Merkmal haben. Keine lustigen Ohren und kein tolles Muster auf dem Fell. So wie Rita. "Nimm doch Rita! Die wartet schon so lange!"
Rita ist braun, klein und - unscheinbar. Sie ist 4 Jahre alt und mindestens 3 davon sitzt sie irgendwo mitten in Spanien im Tierheim. … in dieser Zeit, hat es keinen Menschen gegeben, der sich auch nur für sie interessiert hätte. Keine Anfrage. Nichts!"

…"ja OK" sag ich. "…dann nehm ich halt Rita!"

Natürlich kann ich die Pflegestelle nur machen, wenn Rita verträglich genug das es mit Ria klappt und anständig genug ist das ich sie mit ins Büro nehmen kann.

Natürlich.

Am 2. Februar bin ich mit meinem Freund los gefahren, um den kleinen fremden Hund, in Empfang zu nehmen. Was würde uns erwarten? Wir wussten es nicht. Ich hoffte nur, das Ria sie akzeptieren würde…
Ein Transporter aus Spanien, mit ca 20 Hunden. beinahe für jeden Hund war schon eine neue Familie oder Pflegestelle vor Ort. Rita wurde uns vorgestellt.
Oh nein. Dieses kleine Wesen (viel hübscher als auf den Fotos) machte ein Sorgenvolles Gesicht, große scheue Augen, ein Schwänzchen das ganz weit unter den Bauch eingezogen war. Ich war auf der Stelle tief berührt, wie dankbar Rita jede zarte Berührung aufsog, wie sie uns ungläubig anstarrte… wieviel sie uns mit ihrer Mimik erzählen konnte. Da Ria und Rita rein vom klang her kein gutes Duo ist, wurde sie sofort mit ihrem neuen Namen konfrontiert: Lotti! Leckerlie rein, und streicheln, streicheln, streicheln!




Erste Kontaktaufnahme

Ein kurzer Testspaziergang mit Ria verlief ohne Aufsehen und da war dann auch alles geklärt und wir machten uns auf den Heimweg!

Lotti war so fürchterlich erschöpft aber traute sich kaum zu schlafen, als hätte die Angst aus dem schönen Traum zu erwachen. Die nächsten Tage waren noch sehr von ihrer Angst geprägt. Natürlich hatte sie Angst. Sie kannte ja nichts und das was sie kannte war vermutlich nicht sehr schön. Immer wenn sie ihre Rute zeigte freuten wir uns und nach und nach wurde sie mutiger, verlor die Angst vor Treppenhäusern, dem Fernseher und Straßenbahnen. Sie zuckte nicht mehr bei jeder schnellen Bewegung und lernte die Tagesabläufe kennen.
Sie liebte natürlich das essen, aber noch mehr liebte sie das schmusen. Jeden Tag rollte sie sich möglichst dicht an mich auf die Couch und Ria war zum Glück nicht eifersüchtig! Lotti folgte mir überall hin und ich wusste, das sie das bei ihrem neuen Frauchen auch bald tun würde.

Büro war genauso unproblematisch wie Stall. (Nach dem ersten Pferdebegegnungs-Schock versteht sich ;) )
Wo ich war, war Lotti und alles war gut.

Nach 2 Wochen war sie dann auch schon vermittelt was angesichts ihrem wunderbaren Wesen und dem lustigen Gesicht mit der Denkerstirn kein Wunder war. Übrigens kam die Vermittlung über Facebook zustande.

Die Trennung war hart. Aber sehr groß war auch mein Stolz - denn genau so war der Plan.
Ich hatte bei der Familie auch ein gutes Gefühl und würde Lotti sicher bald wieder besuchen können. Sobald sie sich eingelebt hatte. Irgendwann würde ich wieder einem Hund die Chance auf ein neues leben geben können, indem ich ihn als Pflegestelle aufnehme.

Lotti wurde ein fröhlicher lustiger Hund

Aber das wiedersehen kam schneller und anders als ich es erwartet hatte. Die neue Besitzerin wurde sehr krank und konnte den Hund nicht behalten. Ich wurde gefragt, ob ich sie wieder nehmen würde. Natürlich würde ich das! So zog Lotti nach nur 6 Wochen dann wieder bei mir ein. Sie hat mich natürlich sofort erkannt und klebte sofort wieder an mir wie ein Karamellbonbon!

Ich konnte ihr eine neue Trennung von mir nicht antun. Die Entscheidung wollte ich aber nicht alleine treffen. Schnell waren auch Niels und Corinna überzeugt und wir lösten Lotti mit der Schutzgebühr ab.


Ria und Lotti nähern sich einander an :)



Mindestens einmal in der Woche ist Lotti bei Corinna und Tyson, was sehr gut klappt. Aber wenn ich dabei bin, ist sie nur bei mir. So viel Liebe in so einem Kleinen Hund, einfach unglaublich! Natürlich hätte ich diese kleine witzige Hündin inzwischen noch 3x vermitteln können - so ein ganz gewöhnlicher Straßenhund aus Spanien, der über 3 Jahre warten musste bis ihn jemand gesehen hat. Vielen Dank an die Hundeengel e. V. die mir diesen kleinen Schatz nach Deutschland gebracht haben. Ihr macht eine tolle Arbeit und müsst viele Enttäuschungen einstecken. Lasst euch nicht unterkriegen! Für Lotti habt ihr die Welt verändert! Lotti würde mich nie freiwillig her geben - und ich sie auch nicht mehr! :-)

Endlich angekommen.

Eure Momo