09.06.2013 - Geländecup in Hauenstein

Corinna und ich reisten mit viel Vorfreude und sommerlicher Kleidung zum Hauensteincup an. Der Jagdclub veranstaltet jedes Jahr einen Lehrgang bei namenhaften Ausbildern, und am Abschlusstag findet ein Wettbewerb statt, an dem jeder teilnehmen kann.

Aurora, die am Vortag in Mühlheim Dressur gehen musste, mümmelte im Anhänger ihr Heu und wir trafen die Gruppe zur Streckenbesichtigung.

Bei den Jagdreitern wird nicht mit Rädchen und Zettelchen über die Strecken gestolpert - hier stapelte man sich in 5 Geländewagen mit geübten Piloten und fährt zu wichtigen Punkten der Strecke. Erste Aufgabe des Tages: Steige am Hang in Schräglage aus einem Mitsubishi aus und wieder ein. Herrgott waren diese Türen schwer. Ungelenk kraxeln wir umher, die (Schaden)Freude ist groß :)

Corinna hatte sich für den E Kurs angemeldet, ich für A.

Während der Besichtigung der Strecke zog sich der Himmel immer weiter zu und aus dem Sonne versprechendem Vormittag wurde ein kalter grauer Mittag.
Corinna und ich, experten auf dem Gebiet "dumm gelaufen" hatten natürlich an eine kurze Hose gedacht und auch ein paar Turnschuhe dabei wenn die Stiefeletten zu unangenehm werden. Aber Regenausrüstung? Fehlanzeige. Corinna hatte einen Kamikaze-Regenblouson und ich eine Fleecejacke über den dünnen Turnierblusen.

Dem Wetter zu trotz begann der Geländereiter-Wettbewerb mehr oder weiger direkt nach dem abgehen. Corinna und ich froren und haben erst einmal gefrühstückt. Das Unwetter "Regen" zu nennen ist untertrieben.
Jedes normale Turnier wäre vermutlich unterbrochen worden, aber bei den Jagdreitern wird eben bei jedem Wetter geritten. Ist ja auch irgendwie sympathisch. Die können ja auch nix für unsere fehlerhafte Ausrüstung!

Also haben wir Aurora erst mal im trockenen Stall gesattelt und ihr die Stollen eingedreht. Aurora hatte eine Regen-Nierendecke dabei. Die war eben vernünftig :)

Wo schon die Strecken mit dem SUV abgefahren werden, wird auch mit dem Gespann dann vom Stall zum Abreiteplatz gefahren. Vor dem Regen geschützt stellten wir uns in den Anhänger und schauten die Reiterinnen an die wirklich überraschend sicher und souverän ihre Aufgaben meisterten. Toll! Viele waren Reitschüler auf Schulpferden und machten einen erstklassigen Job!

Das E war leider recht simpel von den Sprüngen, kaum zu unterscheiden von dem Wettbewerb. Die Mädels machten wieder eine sehr gute Figur und Corinna merkte schon beim abreiten das ihr das mit Aurora nicht ganz so gut gelingen würde. Aurora wollte lieber wieder in den trockenen Anhänger und fand das alles insgesamt uncool.

Als es für die 2 dann los ging, gab es direkt am Anfang eine Unstimmigkeit was das Grundtempo angeht, dann sammelte Corinna Aurora wieder ein und es wurde eine richtig tolle Runde! Rhythmisch und locker-lässig mit genug Tempo - nur dann, vor dem letzten Sprung wieder eine Unstimmigkeit und somit war der Trainer, der heute richtete, sehr sehr unschlüssig. Was macht man aus Szenen die 8,0 wert sind und solchen die 6,0 wert sind? - Ja, eine 7,0! Das war für Corinna dann noch der 8. Platz!

Corinna war fertig, Aurora im Anhänger - und der eben noch so heftige Regen hörte auf und machte der Sonne Platz die uns durchweichte Reiter etwas trocknen sollte. Was ein Glück, ich konnte die stinkende Abschwitzdecke wieder ablegen, die ich mir um die Schultern gelegt hatte. Nun sah ich zwar selbst aus wie ein Pferd mit lauter Haaren im Fleece, und roch auch so, aber warm genug die Fleecejacke auch aus zu ziehen war es dann doch nicht.

Beinahe wären wir noch stecken geblieben (ohne Pferd im Anhänger hat es der Land Rover dann aber geschafft) und fuhren zurück zum Stall.
Nach einer Pinkelpause bereitete ich mich für den A-Ritt vor. Ein Ritt auf einer Strecke die unmöglich einsehbar ist, deswegen nach Optimalzeit gerichtet wurde. Da es eine steile Bergabpassage gab, die empfohlener Weise im Schritt zu bewältigen war, konnte ich das Tempo von 5:30 auf einer Strecke von 2200 m schwer einschätzen. Braucht man für diese Strecke dann ca. 30 Sekunden oder länger?

Ich hatte große Pläne denn ich habe an diesem Tag meine neue Event-Clock eingeweiht die Niels mir zum Geburtstag geschenkt hatte.

Eine ewig große Stoppuhr die jede Minute einen Piepton von sich gibt. Das ist natürlich eine hilfreiche Ausrüstung für diese Prüfung.

Die Startlinie, an der die Zeit genommen wurde, ist ca. 2 Galoppsprünge vor dem ersten Hindernis. Die Zielzeit wurde genommen wenn die Vorderbeine hinter dem letzten Sprung aufsetzen.

Also ist der Plan klar: Ich musste es schaffen auf der Startlinie „Start“ zu drücken und zwischenzeitlich immer mal auf die Uhr gucken ob ich mich beeilen muss.

Ich bin dran! Los ging es im Galopp auf Sprung 1 zu, ich drückte auf meine Uhr und die machte "piep-Piep" ...Mooooment... ein Kontrollblick verriet mir was ich gehört hatte, im Eifer des Gefechts hatte ich schnell hintereinander 2x gedrückt. Das bedeutete „Start“ und sofort wieder „Stop“. Also drückte ich nochmal.

Zugegeben, diese Ablenkung vor dem ersten Sprung war nun nicht gerade geeignet für ein hübsches Überwinden, aber drüber waren wir und die Uhr lief!
Ich hatte jetzt schon Spaß hoch drei und gab Aurora die Sporen, die sauste über den 2. Sprung und weiter über die Wiese! Bergauf eine Abfolge von mehreren Sprüngen, hier piepste schon die erste Minute WAS!? SCHON? Ich blieb in dem hohen Tempo, denn nach den Sprüngen kamen ein paar Wendungen, da musste ich langsamer machen. Aurora stolperte einmal fies, rutschte aber nicht. Die Uhr piepte für Minute 2! Jetzt kam das Bergabstück. Eigentlich war ich ja ganz gut in der Zeit. Im Zockeltrab stolperten wir den Abhang hinunter und gaben dann auf der geraden wieder Vollgas.

Nach 3 kleineren Sprüngen die wir sozusagen ohne zu bremsen übergaloppiert hatten, (Irgendwo piepte die Uhr Minute 3.) kam ein Absprung in einem Waldstück, da war es rutschig. Ich parierte durch zum Trab. Viel zu früh wie sich heraus stellte, denn der Absprung kam erst nach der nächsten Senke. Aber vom Geländewagen aus war das nicht so klar. Absprung ist kein Problem, danach war es gar nicht mehr weit... Minute 4 Piepst... ich parierte dann erst mal durch!

Im Schritt bummelte ich so den Wiesenweg entlang, Aurora schnaubte ab, ich lobte sie, der Blick auf die Uhr sagte: noch eine gute Minute Zeit. Inzwischen stand ich einige Meter vor meinem nächsten Sprung. Ich hatte etwa 3 GS bis zur Hecke, dann etwa 4 GS bis zum Schweinestall, dann etwa 5 (?) GS zum Trakehnergraben - der letzte Sprung.

Oder sind es mehr oder weniger GS? Schwer zu schätzen. Wie viele Sekunden brauchte ich für 3 Sprünge? 30?

Ich entschied mich für 30 und galoppierte aus dem Stand an bei Minute 5. Zack Hecke, zack Schweinestall, ich guckte auf die Uhr: 5:14! ich ging nochmal ans Gebiss, und versuchte Zeit zu vertrödeln, aus einem Dressurgalopp dann über den Graben.

Ich schätze das ich immer noch etwa 10 Sek. zu schnell war, da meine Stoppuhr ja auch einen ticken später los ging.

Wow was ein Spaß! Ein Spiel im Spiel sozusagen. Geländereiten - obercool - eine Uhr haben und mit der Zeit justieren - superspaßig :D

Nächstes mal werde ich es ruhiger angehen lassen, aber das muss man auch erst mal üben damit man es einschätzen kann. Die Hälfte der Strecke ist ja nicht automatisch auch die Hälfte der Zeit. Und bei dem Schritt kann man nicht so genau wissen wie schnell muss man galoppieren. Also alles in allem sehr spannend und viel Spaß hat es gemacht.

Das ich am Ende mit diesem Ergebnis die Prüfung gewonnen hatte überraschte mich ehrlich! In den Vorjahren waren die Reiter immer deutlich näher an der Zeit. Diesmal hatte ich Glück. Und eine besonders gute Uhr :)
Eure Momo