Urlaub Teil 3: Fehmarn

von Süsel war es nicht mehr weit bis auf die Brücke, bis auf die Insel. Fehmarn wir kommen! Ein wunderschönes Mohnfeld leuchtete einladend, wenige Kilometer vor dem Meer.

Ein bischen ins Schwitzen kamen wir dann doch, es war recht windig und wir wussten nicht ob wir mit dem Anhänger über die Brücke fahren sollten. Laut Radio dürfen keine leeren LKW oder Wohnwagen über die Brücke - Augen zu und durch, Leer waren wir ja weissgott nicht!

Und wir hatten es geschafft!

Unser Quartier war einwandfrei, 2 Aussenboxen und eine kleine Koppel konnten wir nach Lust und Laune nutzen. Jackomo atmete zeitweise etwa schwer - aber wie soll ich ihm auch erklären das er seinen Kopf aus dem Boxenfenster halten soll und nicht in die hintere Ecke der ansonsten zugdichten Box?

Ein paar Entchen leisteten den Pferden Gesellschaft und diese teilten sich freundlich ihren Hafer mit den Schnabeltieren.

Das Wetter war über die Tage hinweg eine Mischung aus herrlicher Sonne und kaltem Regen.
Wir beobachteten das Geschehen auf den Turnierplätzen und ritten am Strand entlang.


Da mein Onkel und seine Familie auf der Insel wohnen haben wir natürlich immer wieder gemeinsam gegessen und uns getroffen. Auch mein Freund Niels und meine Mutter kamen für 4 Tage auf die Insel und es war ein sehr schönes "Come Together".

Nun geschah Folgendes: vor dem Haus meines Onkels versammelten sich alle, Niels der mit meiner Mutter gekommen war sollte mit Corinna und mir in die Ferienwohnung fahren.
Das Auto meiner Mutter parkte ordnungsgemäß am Straßenrand und Niels öffnete die hintere Tür um seine Tasche vom Rücksitz zu holen.
Zum Glück war er sehr weit im Fahrzeuginneren verschwunden, als ein Auto um die Ecke bog. In dunkler Nacht schlingerte er relativ zügig an uns vorbei und da tat es einen lauten knall! Der Fahrer hatte seinen Seitenspiegel an der offenen Tür vom Auto meiner Mutter verloren.

Einige meter weiter bremste der Wagen und ein Mann stieg aus. Ob was passiert sei?

Ich hob seinen Spiegel auf: Den hier haben Sie verloren!
Der mann fing an zu schimpfen, das die Türe ja ganz plötzlich aufgerissen wurde und alles ja so dunkel sei und wir sowieso schuld wären.
Mein Onkel hatte bereits die Polizei informiert als der Mann noch so am Schimpfen war. Niels war völlig verwirrt und meinte, das er froh sein könne nicht einen Menschen umgefahren zu haben.

Der Mann fragte dann: Hammstediepolizeigerufen?

Ja! ...

Der Mann krabbelte in sein auto und stopfte sich kaugummis in den Mund. Dann schiffte er erstmal in den Garten der Nachbarin. Generell hatte er Mühe sich auf den Beinen zu halten.

Auf so einer Insel ist die Polizei dann auch schnell vor Ort und wie das dann so ist verhört der eine Polizist die eine, der andere die andere Seite. So schnatterte die ganze Familie auf den dicken Bilderbuchpolizisten ein, das der Unfallfahrer ja sternhagelvoll ist und froh sein kann das sonst nix passiert ist.

Nach einigen langen Minuten kam der andere Polizist zu seinem Kollegen und versuchte ihm etwas ungeschickt mit Handzeichen und Kopfnicken zu verstehen das der Unfallfahrer voll ist wie drei Haubitzen! Wir wussten das ja alles schon. Der lustige dicke Polizist hat seinen Kollegen etwas gemein auflaufen lassen und tat ne Weile so als wüsste er garnicht worum es geht.

Herrlich! Unser volltrunkener Mann wurde dann mit vollem Service nach Hause gebracht und sein Auto bei der Nachbarin geparkt, dort, wo er das Blumenbeet bewässert hatte.

Hinterher können wir da alle schön drüber lachen :) Auch wenn der arme Mann vermutlich keinen Führerschein mehr hat.




Dann wurde es ernst: Wir wollten mit Aurora auf dem Geländeturnier starten, welches Montags bei Familie Rüder stattfinden sollte.
Die Familie Rüder - sowas nettes! Als Corinna neugierig ein paar Tage vorher die Strecke erkundete, luden Rüders uns ein zum üben nochmal vorbei zu kommen.

Das lassen wir uns natürlich nicht 2x sagen!

Tags darauf ging es also zum Training - allerdings hatte Aurora ein Eisen verloren. Zum Glück fanden wir es auf der Koppel und Corinna hatte gleich die Idee am Turnierplatz vorbei zu fahren, da müsse es ja einen Schmied geben!
gesagt getan. Der Schmied nagelte das Eisen wieder auf und nahm 20 € dafür. Wir freuten uns das es so prima geklappt hat!

Angekommen bei Rüders stellten wir fest das 3 Tage vor dem Turnier noch nicht alles so turniermässig aussieht. OK, Nummern standen an den Sprüngen, aber geschmückt oder ausgeflaggt oder sonst was? Fehlanzeige.

Aurora sprang routiniert auf Anhieb alles was man ihr vor die Hufe stellte - naja, fast. Ein Graben, den wollte sie nicht so gern. Ich bin auch hingeritten wie ein Depp und ach es war der Wurm drin und sie ging zwar rüber aber so richtig schön und flüssig war das nicht.

Naja, egal. Am Turnier nehm ich ein Stöckchen, dann geht sie sicher.

Beim Aufladen stellten wir fest: Das Eisen fehlt! AH! Na toll. Also wieder zum Schmied gefahren den wir zum glück gerade noch erwischten. Dieser schmiedete ein neues Eisen und wollte dann 70 € dafür. Ich fand,d as man die 20 € von vorher ruhig verrechnen könnte. Zähneknirschend willigte er ein.


Dann der Tag des Turniers und der Abreise. Momo hat nämlich in der Urlaubsplanung wieder nicht genau aufgepasst, das Turnier das am Montag war, habe ich gedanklich schon am Sonntag gehabt. (wo sind sonst auch Montags Turniere?) Deswegen dachte ich: Sonntags Turnier, montags Abreise.

Aber nun war eben beides auf den Montag gerutscht und wir haben bereits bei der nächsten Station angemeldet das wir wohl erst spät am Abend ankommen. Aurora kam mit aufs Turnier, Jackomo wartete in der Box.

Los gings mit der A-Tour! Also eigentlich ging es damit los das die Teilnehmer kreuz und quer über die Strecke ritten und dort ihre Pferde aufwärmten und ich etwas schüchtern im Bereich des Abreiteplatzes blieb, aus Angst ich könnte gesperrt werden. Mit der Deko haben sie es hier nicht so, es ist nicht viel hinzu gekommen und das störte auch keinen.
Los gings und die Aufregung kam langsam - meine erste A Tour mit dem Pferd. Es war nicht sehr anspruchsvoll, aber bei mir mischten sich Freude und nervosität. Der Graben der Graben... wenn ich nur eine Gerte hätte würde sie sicher gehen - wenn ich aber eine Gerte hätte würde sie mir ab Sprung 1 so aufs Gas gehen das ich vermutlich garnicht bis zum Graben komme.

Also überlegte ich mir einen Trick. An dieser Stelle muss ich sagen, das ich bis heute keine Ahnung habe ob das erlaubt ist - ich habe nach dem Turnier einen befreundeten Richter gefragt, der mir dies so auch nicht beantworten konnte.
Und zwar, brach ich einen Ast ab, kleiner noch als eine Springgerte. Ich steckte mir diesen Ast in meinen Chaps und der Plan bestand darin das ich ihn hervorzaubere wenns an den Graben geht, und ihn danach weg werfe. Ein genialer Plan!
Ich war am Start und in herrlicher Harmonie überwindeten wir die ersten Sprünge. Dann ging es raus auf die Koppeln, dort standen noch 2 Sprünge... ja die Koppeln, das haben wir nicht geübt und Aurora war schwer irritiert das wir nun vom Springplatz weg und so weit weg reiten und bremste. Ich versuchte den Galopp zu erhalten doch dann kam noch der Sprung und Aurora stand. Och menno :( So ein normaler kleiner Sprung, eine Schanze oder ein Gatter oder irgendwas was uns eigentlich keine Mühe kostet. Aber Aurora dachte wohl wir müssen uns verritten haben.
Ich zog mein Stöcklein aus dem Schaft und nun flogen wir über die 2 Sprünge auf der Koppel. Dann, ja dann heimwärts- wir flogen weiter und das Stöcklein hab ich so verkrampft gehalten das es schon zerbrochen war. Aber gleich kommt der Graben und den schafften wir auch und ich war so froh darüber das... das ich mich verritten hatte und einen falschen Sprung nahm.... oh nein :-O

Ich trabte zu den Richtern und meinte: Oh ich hab mich verritten. Der Richter schrie nahezu euphorisch: Jaaa leider, bitte reiten sie doch einfach weiter, als Trainingsrunde, sie dürfen den Parcour beenden!

Oha! Hier auf der Insel gelten andere Regeln. Ich beendete meinen Ritt und die Richter lobten mich über das Mikrophon. Das wäre sicher eine gute Note geworden. Sehr sehr ärgerlich!





Corinna holte nun wie abgesprochen Jackomo. Ich wartete bis die E Tour dran war denn da wollte ich nochmals starten.

Ich führte Aurora im Schritt und ging den Kurs 100x im Kopf durch, auf keinen Fall wollte ich mich nochmal verreiten!

Nachdem alle Rüders und alle Anderen die A beendet hatten und die Platzierung geritten waren, startete die E!

Wieder brach ich mir ein Ästlein ab und steckte es in den Stiefel, denn auch diesmal ging es raus auf die Koppeln und den Fehler wollte ich nicht nochmal begehen.

Dann war ich dran. Ich freute mich, denn die Stute lief wie am Schnürchen. Mutig aus hohem Tempo an die Sprünge und die Ohren gespitzt nach vorn. Dann kam die Stelle, wo es auf die Koppeln geht. Ich fummelte hastig nach dem Stöcklein, fand es nicht, musste runter schauen bis ich es hatte AAAH! MIST! Ich bin am Tor vorbei galoppiert! Kackekackekacke vor lauter Stöckchen verpasste ich meinen Einritt. Wie peinlich. Also drehte ich um und korrigierte den Fehler. Der Ritt über die Koppeln verlief nun problemlos, sei es am Stöcklein oder an der Wiederholung gelegen klappte alles wunderbar.

Zurück auf dem Hauptplatz waren wir noch immer frisch und fröhlich und mitten auf der Strecke, schlug Aurora plötzlich einen Haken Richtung Abreiteplatz. Nach dem Motto: Mir reichts jetzt, ich renn hier heute schon zum 4. mal lang! Upps! Ich schaute Richtung Richter, doch konnte sie wegen dem Gebüsch nicht sehen. Ich galoppierte schnell wieder an und hoffe, das die Richter mich wegen dem Gebüsch auch nicht gesehen haben. 2 letzte Sprünge bis zum Ziel, kam schon meine Bewertung durch das Mikro. Sie lobten meinen Sitz und ich verstand kaum etwas. Wertnote 7,... null? zwo??? Ich hab es nicht verstanden.
Da hier auf der Insel ja alles etwas gelassener zu geht, konnte ich auch nirgendwo eine Tafel finden auf der die Wertnoten notiert wurden. Corinna war ja nicht da. Also fragte ich ein paar Zuschauer ob sie meine Note gehört hätten, aber niemand konnte es mit Sicherheit sagen. Von 6,5 bis 8,9 war nahezu alles dabei.

Also half nur warten. Warten auf die Platzierung ob mein Name da nochmal genannt wird? Nirgendwo gab es eine Übersicht... ich wusste das den Richtern mein Stil gefallen hat, aber diese 2 Patzer können keine hohe Note mehr entstehen lassen.

Corinna kam, ich berichtete Ihr. Sie meckerte.
Dann die Platzierung.

Simone von Rabenau, die uns nicht nur mit einem schönen Ritt erfreut hat sondern auch mit einem strahlenden Lächeln durch den Kurs galoppierte, auf Platz 2 mit einer Wertnote von 7,9!

Ich quiekte vor Glück!

Die Weiterfahrt war fröhlich und feierlich und wir finden, das die hessischen Richter und Turnierplätze eh viel zu spießig sind! :)