03.06. - Turnier Wiesbaden Kloppenheim

Durch einen glücklichen Umstand starte ich mit Aurora als letzte Reiterin in der Stilgeländeprüfung Klasse E. Hm, glücklicher Umstand? Was genau ist eigentlich der Vorteil wenn man als Letzter startet? Eigentlich doch nur der, dass man nicht Erster ist... der Nachteil wird mir auf jeden Fall bereits bei meiner Ankunft auf dem Turniergelände klar. Der Nachteil, als Letzter im Gelände zu starten, ist der, dass vor einem bereits x Reiter über die Strecke geritten sind.

X Reiter bei Regen über einen recht naturbelassenen Boden.

Aurora trägt heute Stollen. Nur vorne, denn hinten ist sie barfuß. Wir tragen beim Zugucken unsere Regenschirme.

Ich schaue mir noch ein paar Stellen des Kurses an und zähle dann die Reiter rückwärts, wann ich zum Aufwärmen starte.

Die Stimmung ist trotz Schmuddelwetter gut, die Ritte sicher, die Reiter haben ein gutes Niveau. Die Strecke hat allerdings auch keine größeren Hürden finde ich.

Angekommen auf dem Arbeitsplatz, noch ca. 10 Reiter vor mir, hat der Regen zwar immer mal eine Pause, aber wir sind weit entfernt von trocken.
Der Boden auf dem Arbeitsplatz hat schwer gelitten. Boden, ist ein sehr schmeichelndes Wort. Der Arbeitsplatz ist eine leicht abfällige Wiese, mit ein paar Hubbeln und Dellen. Diese Wiese konnte den vielen Hufen und Stollen in Zusammenhang mit dem Wasser nicht stand halten. Ich drehe im Schritt meine Runden und beobachte Pferde die vorn und hinten, in den Wendungen und am Sprung rutschen.

Ein Pferd stürzt unmittelbar hinter mir. Zum Glück nichts passiert.

Der Abreiteplatz leert sich nach und nach und ich eiere ein wenig im Trab auf und ab. Aurora ist recht gut auf den Füßen, was mich erstaunt. Sie läuft vorsichtig und konzentriert und rutscht nicht weg.

Ein paar Sprünge mache ich später auch, aber nichts so viele denn davon wird sie nur grell. Alles in allem ist sie sehr ruhig und ich freue mich auf meinen Start.

Die vorletzte Reiterin ist auf der Strecke und es sieht gut aus. Doch dann, vor Sprung 11, ein Sturz. Mit Pferd. Ersten Infos zu Folge stehen beide aber gleich wieder auf. Puh, Glück gehabt!
Ich reite ein, bereit zum Grüßen, da werde ich darauf aufmerksam gemacht das der RTW zum Unfallort fährt und ich nochmal raus reiten soll. Könnte ein paar Minuten dauern.

Oh. tatsächlich, das Mädel liegt noch :-(

Ich reite schnell raus und warte auf dem Arbeitsplatz. ...und warte...und warte... so nach und nach trudeln weitere Reiter ein die sich für die Platzierung wieder auf ihre Pferde setzen. Wir warten. Und es regnet... und wir warten...und dann kommt eine Dame von der Organisation. Sie teilt uns mit, das die Platzierung ohne Pferd stattfindet, und auch erst dann wenn ich geritten bin. Nur wann das ist, das ist noch etwas unklar. Ich darf mir aussuchen, ob ich auf dem Arbeitsplatz bleiben möchte, oder das Pferd nochmal weg stellen und dann vor der nächsten Prüfung meine Runde reiten möchte. Der Notarzt sei auf dem Weg und man wisse nicht wie lange es dauert. Derweil ist noch eine weitere Person überraschend in Ohnmacht gefallen und nun gäbe es auch keinen freien RTW mehr.

..gabs da nicht so einen berühmten Song... I'm Waaaiting in the Rain oder so ähnlich :D

Ich entscheide mich, Aurora nochmal auf den Anhänger zu stellen und dort steht sie dann auch fast eine halbe Stunde.

Ich hoffe sehr, das es der gestürzten Reiterin und der ohnmächtigen Dame inzwischen wieder besser geht.

Die 2 RTWas blockieren noch eine Weile die Strecke und ich übe mich auch bei meinem erneuten Versuch zu Grüßen in Geduld.
Als dann endlich die Glocke klingelt, sind Aurora und ich aber gleich wieder hellwach! Der Start ist einen halben Reitplatz vom 1. Sprung entfernt und ich kann beim Galopp an den Richtern vorbei gleich zu Anfang den Schönheimer-Jockeysitz machen, denn ich habe ja Zeit dafür und Aurora ist noch nicht auf Sprung-Suche eingestellt.


Sprung 1

Auf den ersten Sprung wird sie etwas stark aber ich reite mutig weiter und wir schaffen ein harmonisches Überwinden. In Erwartung eines langen Bremswegs nehme ich sie recht früh vor 2 zurück - doch Aurora reagiert überraschend leicht und so kann ich meinen Ritt flüssiger fortsetzen als gedacht. Ich muss kaum ans Maul und es gibt keinen unterlaufenen Sprung und auch sonst wirkt alles unkompliziert und macht richtig Spaß und es ist irgendwie einfach.









Sprung 10, ein Hügel mit Stamm oben drauf, ist allerdings kurz für einen kleinen Schrecken gut. Gefühlte zehn Sanitäter in leuchtenden Warnfarbenen Klamotten, mit Koffern und Liege tauchen plötzlich hinter dem Hügel auf, Aurora scheut kurz aber ich kann meine Linie einigermassen halten - wir überwinden den Stamm im Trab. Ich bleibe noch im Trab bis wir die dahinter liegende Wendung geschafft ist, denn an eben dieser Wendung stürzte das Paar vor mir.


Der Hügel-Sprung





Wasser und der letzte Sprung

Den kleinen Graben und die weiteren Sprünge sowie das Wasser sind dann wieder problemlos, im Ziel lobe ich überschwänglich und freue mich sehr das wir so gut durch gekommen sind.

Auch wenn ich selbst ein gutes Gefühl habe, sind meine Erwartungen an die Wertnote nicht sonderlich hoch. Man ist ja keinen großen Ruhm mehr gewöhnt :-)

Lob und große Freude nach dem schönen Ritt



Doch der Ritt hat gefallen, es gibt eine 7,9 und somit eine wahnsinnig tolle Note! Ich freute mich irrsinnig, Corinna natürlich auch, voll stolz hüpfen wir um den Champion Aurora umher und klopfen und drücken Sie - und ich glaube sie hat nicht verstanden weshalb, aber gefallen hat es ihr!

Schnappschuss vom Team


Große Freude über eine blaue Schleife

Sieben-komma-neun - das ist ja fast ne Acht. und ne Acht ist schon sehr prima!
Ohne so recht einen Überblick zu haben wieviele 8er Noten es in der Prüfung gibt, bin ich nochmal stolz und glücklich als ich für den 4. Platz aufgerufen werde.

Leider darf Aurora ihrer ersten Siegerehrung nicht persönlich beiwohnen, da ohne Pferde platziert wird. Aber so ist zumindest der Boden an dieser Stelle geschont, und die Ehrenrunde verläuft ohne weitere Unfälle :)

Ehrenrunde ohne Zwischenfälle :)

Eure Momo