22.06.2010 - Verladetraining und die Erfolge mit meinem Pferd


Verladetraining und die Erfolge mit meinem Pferd
Wenn ich es richtig in Erinnerung behalten habe, fingen die Verladeprobleme mit meinem Pferd letztes Jahr im November an. Es waren nur kleine „Stopper“ von ihr vor der Rampe oder kurzes Zögern, aber ich wusste, irgendwas stimmt da nicht. Gut, dachte ich, vielleicht sind wir in letzter Zeit ein bisschen viel mit ihr im Hänger unterwegs gewesen wegen Turnieren usw. aber es ließ mich doch nicht los. Im Februar schließlich fuhren wir im neuen Jahr wieder das erste Mal Hänger und das Verladen war der reinste Abklatsch allermöglichen Wehr- und Bocktechniken, die man schon mal auf Turnieren, dem eigenen Hof oder bei sich bekannten Hängerverweigerern gesehen hat. Steigen, Kopf herum- und in die Höhe reißen, seitlich am Hänger vorbeilaufen und einfach alles umrennen, was im Weg steht… bocken eben was das Zeug hält. Hauptsache keinen Hänger fahren. Jo, nun stand ich da und wusste nicht was ich machen sollte.
Ich hatte immer ein Pferd, welches problemlos in den Hänger gegangen ist und mich eben nie großartig mit Verladeproblemen beschäftigt. So schnell hofft man ja nicht, dass einen das ereilt. Aber wie so oft: Unverhofft kommt eben oft und der Bock straft die Peiniger.
Der Peiniger versteht nicht, warum der Bock nicht die Rampe hoch will. Aber Stopp – die Rampe ging das Pferd noch schön hoch, aber dann wollte es nicht mehr weiter und wehrte sich mit all seiner Kraft und Raffinesse gegen alles Menschliche. Okay, dachte ich mir, versuchen wir es mit Longen. Das klappte komischerweise vom Hof weg besser als zurück. Irgendwann hatte das Pferd auch ganz schnell kapiert, wo der Hase langläuft und fand eine Strategie, um gegen die blöden Leinen zu arbeiten. Dappe ich links oder rechts am Hänger vorbei oder steige gleich, um den Menschen Angst zu machen oder sie zurückzudrängen, dachte das Pferd wohl und schaffte es an einem Abend eine geschlagene Stunde zu nerven, bevor sie mit Bitten und Betteln und zwei Longen inklusive drei Verladern in den Hänger stolzierte. Super, dachte ich mir. Darauf habe ich absolut keinen Bock mehr. Daheim dann nochmal mit Familie verladen geübt und kläglich gescheitert. Einmal lief das Pferd mit Futterchen rein, weil das ja so ein guter Tipp war und hatte auch hier kapiert, dass das alles nur ein Trick war. Ich hatte vorher schon gesagt, dass das eine Schwachsinnsidee ist, weil ich mein Pferd genau kenne. Das ist „leider“ zu schlau für solche Sachen und lässt sich nicht veräppeln. Damit war‘s das dann auch. Ich wollte aufhören, weil das Pferd wenigstens einmal auf dem Hänger gestanden hatte, aber Stimmen drangen auf mich ein, es noch einmal zu versuchen und natürlich hinkte der Fuß kläglich. Scheiße war’s. Ich wusste es vorher. Sie geht da nie mehr rein.
Und ich kapitulierte, las mir die Nächte im Internet um die Ohren, um irgendwelche nützlichen Tipps für mein Problem zu finden und um mir selbst zu helfen, suchte ich mir fremde Hilfe bzw. bekam ich freundlicherweise fremde Hilfe angeboten.
Zwei nette Kamikazers kamen vorbei und erklärten, dass sie auf dem Gebiet schon erfahrener seien. Und wie das so immer ist, stehen neben bei immer irgendwelche anderen Leute herum, die es besser wissen müssen und meinen, das bockige Tier mit Zigarettenpapierchen in den Hänger locken zu können. Rascheln ist gleich Futter. Jo, der Vogel war schon längst abgeschossen. Gut gemeinte Idee, aber das Pferd tickt nicht so, sorry.
Gut, so konnte man sich dann der eigentlichen Arbeit widmen. Ich will die Technik nicht amateurhaft beschreiben, aber es kamen ein Bodenarbeitsstick und eine Führkette zum Einsatz. Pferdchen guckte erst mal in die Röhre, als es plötzlich nicht mehr den Kopf rumreißen konnte, denn das machte Aua. Natürlich nicht viel. Aber gerade so, dass es merkt, dass da vorne am Strick noch jemand dranhängt. Das hatte es nämlich längst vergessen. Und das der Braten verbrannt gewesen wäre, wenn das Pferd sich einmal losgerissen hätte, war mir auch klar. Deshalb musste eben eine Hilfe her. Es war ja auch nicht böse gemeint. Die Trennwand also schön bei Seite geschoben, viel Platz für das große Tier gemacht, Leckerchen zur Belohnung bereit gestellt und los ging’s. Im Prinzip war das System in meinen Augen so. Pferd steht gerade vor dem Hänger, guckt brav und bleibt stehen ohne sich wegzudrehen. Loben. Dafür hat man ja den Stick in der Hand. Macht es keinen Schritt weiter, wird mal zaghaft hinten angeklopft und sie eingeladen einen Schritt weiterzugehen. Ist ja nichts Böses im Hänger drin. Alles schön mit Einstreu voll und tut dem Pferdchen ja auch keiner was. Dann bockte es natürlich auch los und man musste von hinten neu anlaufen und das Pferd mit Stick begrenzen, damit es nicht die offene Seite herunter driftet, an der keine Wand ist. Denn der Hänger war ja schlauerweise an der Wand geparkt worden, damit ein Fluchtweg weniger vorhanden ist. Und das Pferd weiß genau, was der Stick bedeutet. Eigentlich war das Pferd recht schnell das erste Mal auf dem Hänger drauf. Sie kapierte, dass auf eine positive Reaktion von ihr der Druck von hinten nach ließ. Keine Berührung mehr am Hintern. Alles schön. Und dann wird man belohnt. Und siehe da, der Hänger ist doch ganz nett. Steht brav drin und guckt sich um und bekommt nebenbei noch ein Möhrchen, weil es so toll mitgearbeitet hat.
Es hat vielleicht zwanzig bis dreißig Minuten gedauert und ich hatte mein Pferd selbst rauf und runter geführt, ohne dass ich herumgerissen, angestiegen oder umgerannt wurde. Man, was eine Wurst. Aber ich konnte das Problem in ihr langsam verstehen. Vermutlich hatte das arme Pferd doch ein kleines, traumatisches Erlebnis gehabt. Es mag nämlich keine Kreisel. Und einmal ist es dabei an die Wand geworfen worden, weil es die Beine nicht rechtzeitig ordnen konnte und nun vermutet man, dass das Problem sich so entwickelt hat. Aus geringer Ängstlichkeit begann ein Zögern, woraus sich schließlich Bockigkeit und die Abneigung gegen den Hänger entwickelte.

Die Zeit vergeht und nach ein paar Monaten lasse ich das Ganze mal Revue passieren. Mittlerweile kann ich berichten, dass es zwischendrin mal ein paar Rückfälle gab, aber das lag zuweilen in der Unzuverlässigkeit und wenigen Abstimmung der verladenen Personen. Das System hat sich eingebürgert, das Pferd hat verstanden, dass alle lieb mit ihm sind und es klappt gut. Mittlerweile benötige ich die Führkette lediglich noch zum Einladen beim Wegfahren als kleine „Gedächtnisstütze“. Es ist mehr ein Placeboeffekt, aber ein durchaus nützlicher. Es reicht auch schon, wenn jemand sie ein wenig gerade die Rampe hochdirigiert und da reicht schon das Vorhandensein einer Gerte. Eigentlich ist es mehr eine Makulatur und ich hoffe, dass ich es bald los werde. Die Fahrten zurück meistern wir am lockeren Strick und bravem Hinterherlaufen in den Hänger.
Ich bin zufrieden und stolz auf das Pferdchen, dass es den Sinn dieser Aktion verstanden hat und nicht böse mit den Menschen ist. Man hat ihr den Unmut beim Hänger fahren am Anfang auch noch angehört, denn sie machte sich regelmäßig durch Klopfen, Scharren und lautstarkes Gewieher aufmerksam. Mittlerweile habe ich den Eindruck, das Pferd fühlt sich wieder wohl im Hänger, denn wenn andere Pferde auf den Turnieren neben ihr beinahe den Hänger auseinander nehmen, steht unser Pferdchen brav daneben, frisst brav ihr Heu und genießt die Ruhe vor dem Sturm. Sie hat ihre Gelassenheit zurückgewonnen und Kreisel werden beim Fahren wegen der psychischen Auswirkung auf alle Mitfahrer im Auto und das Pferd natürlich an erster Stelle weitestgehend gemieden und wenn überhaupt im ultralangsamen Schritttempo durchquert.
Übrigens lässt sich mein Pferd mittlerweile auch alleine abladen. Ich schaffe es ganz alleine, dass sie aus dem Hänger herausläuft. Sogar schön gerade die Rampe herunter ohne raus zu stürmen, sondern ganz gemütlich, so als ob sie gar keine Lust hätte, ihren schönen Platz wieder zu verlassen. Und wenn sie niemand bittet bei offener Stange auszusteigen, so bleibt sie stehen… an ihrem schönen Plätzchen, zu dem sie das Vertrauen wieder zurückgefunden hat und an dem man es ganz toll aushalten und sich sicher aufgehoben fühlen kann.
Eure Simone