19.06.2010 - "Nur" ein Ausritt

Ich hatte die Wahl zwischen Kino und Pferd – und es siegte, wie so oft… das Pferd.
Die Sonne schien und die Vögel zwitscherten, doch der Schein trügte. Draußen war es nämlich nicht besonders warm, wie von den letzten Tagen gewohnt, sondern mit 15° C fast dem Gefrierpunkt nahe (das meinten zumindest meine Hände).
Also machte ich mich auf zu den Pferden. Doch diese schienen nicht so jämmerlich wie ich zu frieren und dachten nicht im Traum daran, mittags um halb 1 freiwillig die Koppel zu verlassen, denn das konnte ja nur Arbeit bedeuten. Aber was tut man nicht alles für ein Stückchen Möhre.

Alice hat sich netterweise nicht wie üblich eingesaut und so konnte das Putzen geringer ausfallen. Schnell noch die Mähne geflochten (Habt ihr mal versucht, mit einer richtig schönen langen Mähne in der Hochrhön auszureiten? Im Endeffekt hat man statt Zügeln Mähne in der Hand und Sehen tut man auch nicht sehr viel…), Zaumzeug drauf und los.
Die Motivation hat Alice auf der Weide gelassen. Aber wenigstens sind wir vom Hof gekommen. Als wir an ihren Boxnachbarn vorbei geritten sind, war endgültig Schicht im Schacht. Warum soll sie auch was tun müssen, wenn alle anderen auf der Wiese stehen? Gemeinheit! Und während wir diskutieren, kommt ein Auto von vorne – ihre Besitzerin!
Kurz gequatscht und voller Enthusiasmus weiter. Unterwegs meinte sie noch zweimal unbedingt umdrehen zu müssen, doch meine Überzeugungskraft war größer… und schließlich so groß, dass wir in einem schwungvollen Schritt am langen Zügel locker flockig durch die Rhön marschiert sind. Als es wieder Richtung Heimat ging, sind wir an fremden Pferden, einer riesigen Kuhweide, Schafen, Wanderern und hopsenden Rehen vorbei geritten. Und das alles ohne Losstürmen, Passagieren und Stehen bleiben – Alice, ich bin stolz auf dich!


Die Sonne hat so schön auf meine zwei Lagen Fleece geschienen, dass auch mir am Ende warm war. Es war ein unbedeutender Ausritt, kurzfristig entschieden und alles andere als geplant. Trotzdem war es einer der schönsten überhaupt, weil es einfach die kleinen Dinge sind, die das Leben so besonders machen. Egal was in der Vergangenheit geschehen ist und in der Zukunft geschehen wird, es zählt die Gegenwart. Deswegen sollte man jeden einzelnen Augenblick, auch wenn er noch so traurig erscheint, genießen. Denn wie besonders manche Momente sind, das bemerken die meisten Menschen erst dann, wenn es zu spät ist.




Eure Verena