08.05.2010 - 5. Hünxer Pferdemarkt - Ein Pferd als Hauptgewinn


Pferd oder nicht Pferd...das ist hier die Frage


Als wir Freitag Abend (07.05.) auf dem Weg nach Hause waren, sahen wir in einem Auto ein Plakat, welches auf den 5. Hünxer Pferdemarkt am darauffolgenden Tag aufmerksam machte. Wir wollten dies im Hinterkopf behalten und eventuell hinfahren.

Samstag Morgen hatte ich zunächst keine Lust auch nur irgendetwas zu unternehmen, weil ich so schlapp war, aber gegen Mittag sind wir dann doch spontan nach Hünxe aufgebrochen.

Zunächst sah es so aus, als ob wir nicht lange bleiben würden. Als ich dann aber ein Los für die Tombola kaufte, beschlossen wir bis zur Verlosung zu bleiben. René moserte noch, weil das Los 5,- € kostete. Weil er aber immer so Riesenglück hat (finde ich zumindest), habe ich seinen Namen eingetragen. Als Hauptpreis gab es eine 4-jährige, solide gerittene Braunscheckenstute mit Stockmaß 1,55m (inkl. Equidenpass und ein Jahr Pferdehalterhaftpflicht) zu gewinnen, die mitten in der Menschenmasse rumgezeigt wurde und sich brav verhielt. Gut gebaut, Hufe sahen gepflegt aus, alles in allem ein schickes Stütchen.

Wir trafen einige Bekannte auf dem Pferdemarkt, unterhielten uns und erwähnten spaßeshalber, dass wir noch so lange bleiben müssten, um unser Pferd mitnehmen zu können.

Bei den Pferdehändlern hatte ich mir zwischendurch auch noch zwei Wallache ausgesucht, die mir sehr gut gefielen. Ein wunderschöner einjähriger Grauschimmel, der sich mitten im Trubel lässig ins Heu legte und vor sich hin träumte und ein 3-jähriger Rotschimmel, der einfach nur eine super Figur machte und auch noch ruhig und zutraulich war. Da der Händler des Grauschimmels einen äußerst unseriösen Eindruck machte, unterhielt ich mich lieber nur mit dem Händler des Rotschimmels, der mir zudem auch noch ein gutes Angebot machte. Die Vernunft siegte natürlich und ich kaufte kein Pferd, aber man wird ja noch ein bisschen träumen dürfen.

Wir schauten uns noch ein paar Veranstaltungen an und schließlich war es soweit, die Verlosung stand an. Ich bekam ein mulmiges Gefühl im Magen und hoffte auf den dritten Preis (Rundflug mit einem Segelflieger), um keine Entscheidung treffen zu müssen, da alternativ zum Pferd als Hauptgewinn 1.200 € bar angeboten wurden. René war überzeugt, dass wir nicht gewinnen, weil ja so viele Lose in dem Kasten waren und einige 5 oder auch mehr Lose gekauft hatten. Als der dritte und zweite Platz gezogen waren, hielt ich (glaub ich) den Atem an. Und dann kam es: „Der Hauptpreis geht nach Oberhausen!“ tönte es durch die Lautsprecher. Da war mir bereits alles klar und ich wusste nicht mehr was nun passiert, schaute mich nach bekannten Gesichtern um, damit diese mich unterstützten. Dann wurde Renés Handynummer vorgelesen, er hob die Arme und sagte: „Das bin ich!“ - „Dann bist Du René Schmidt.“ Ich bekam fast nichts mehr mit, ich war so nervös und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Vernunft oder Pferd? René musste sich schnell entscheiden und zwar ohne die Bühne zu mir verlassen zu dürfen. Er war auch total durcheinander. Eins war klar: Entscheiden wir uns für das Pferd, ist es unser Pferd und Ende oder wir nehmen das Geld. Das Pferd mitzunehmen, um es zu verkaufen, kam für uns nicht in Frage und das wussten wir beide, ohne darüber gesprochen zu haben.

„Entscheide Du!“ rief ich und hoffte, dass René sich hinreißen lässt und er damit die Verantwortung zunächst übernimmt. Doch er blieb vernünftig und entschied sich für das Bargeld, weil wir nicht wußten, ob wir mit Baby und bereits vorhandenem Reitpferd genug Zeit für ein weiteres Pferd hätten.

Ich war ehrlich gesagt den Rest des Wochenendes ziemlich traurig, weil „Happy Sun“ vielleicht unser Pferd sein sollte und wir es abgelehnt hatten. Hatte das Gefühl, dass wir die einzigen waren, die dieses Pferd nicht wollten.

Wenigstens wurde „Happy Sun“ nun davor bewahrt zu Besitzern zu kommen, die sich das so einfach vorstellen ein Pferd zu halten und keinerlei Erfahrung darin haben, welche Kosten und Mühen auf sie zukommen. So wird das Pferd zu Jemandem kommen, der sich genau dieses Pferd ausgesucht hat.

Der Händler, mit dem wir schon über den Rotschimmel gesprochen hatten, sprach uns an, weil er dem Veranstalter das Pferd für die Verlosung verkauft hatte. Er hätte das Pferd für mehr als den Bargewinn zurückgenommen. Aber wie bereits erwähnt, hätten wir uns für das Pferd entschieden, wäre es unser Pferd gewesen. Wir sind keine Pferdehändler und auch keine Pferdeverkäufer.

Ich habe die Stute nicht mehr angesehen, nachdem unser Entschluss feststand, sonst wäre ich wohl noch viel trauriger geworden. Sogar René war noch etwas traurig. Doch er stand hinter seiner Entscheidung. Erst müssen wir unseren Alltag mit Kind und Pferd im Griff haben, bevor wir uns für ein weiteres Pferd entscheiden können. Vielleicht hat er ja Recht…

Eure Zicke


PS: Link zum RP-online-Bericht