06.-08.02.2009 - Vielseitigkeitslehrgang mit Andreas Dibowski, Alsfeld



Wen need a „OH SHIT SIT POSITION!“

(Achtung, extrem langer Momo-ist-ausführlich-Bericht!)

Lehrgang bei Andreas Dibowski. Lang angekündigt, früh angemeldet und sehr darauf gefreut. Die Planung für das Wochenende war folgende: Freitagabend geht es los, Besprechung mit dem Vielseitigkeitsprofi, kennen lernen, Einteilung der Gruppen, theoretisches Seminar usw. Samstag Vormittags zwischen 9 und 12 Uhr Dressur, Nachmittags zwischen 13:30 und 16:30 Uhr springen, gemeinsames aufbauen des Geländeparcours anschließend. Dann Samstagabend die Jahreshauptversammlung der IGV und ein weiterer Vortrag von Andreas Dibowski. Sonntag zwischen 9 und 12 Uhr springen über Geländehindernisse.

Nachdem wir Freitagvormittag beide Pferde bewegt hatten, fuhren Corinna, Ria, Balou, Das Fahrrad „Tussi“ von Corinna, Tebchen und ich vom Hof. Extra im Ladegerät meiner Arbeitskollegin fit gemacht, war auch meine Kamera mit on Tour. Ein Foto vom schlafenden Balou und los geht’s richtung Alsfeld! Informationsblättchen über den Lehrgang und den Hunter Cup 2009, Lehrgänge in Altenstadt und Turniertermine, alles wurde vorgelesen, bequatscht und besprochen. So geht die Fahrtzeit schnell um und trotz eines kleinen Staus waren wir frühzeitig im Pferdezentrum.

Wir führten Teba aus dem Anhänger und suchten uns eine schöne Box aus. Wir waren die ersten und Teba die einzigein der Stallgasse – was sie überhauptnicht störte. Sofort begann sie auf ihrem Stroh rum zu knabbern. Heu gibt es nur zu bestimmten Ausgabezeiten, wir hatten Glück und konnten gleich einen Ballen kaufen.

Wir liessen Teba allein und fuhren weiter zu unserer Pension. Einerseits schnell zu erreichen, aber andererseits so weit weg das man es nicht mit dem fahrrad fahren konnte, wie es Corinna geplant hatte. Tussi kam in einem Schuppen an der Pension unter. Das milde Wetter lud zum Spaziergang ein, ganz romatisch, hier auf der etwas höher gelegenen Schattenstelle lag noch schnee und ein teil des Bachs war eingefroren. Ich machte ein Foto und bemerkte dann das mir einer meiner handschuhe fehlt. Also zurück, Handschuh gefunden, und dann gut gelaunt mit Ria über die Wiese zurück gerannt. ...und übrigens, sollte das das letzte mal gewesen sein das ich meine Kamera bewusst gesehen habe. Aber das merkte ich erst am nächsten Morgen, an dem ich kein Foto vom Lehrgang machen konnte. L

Frisch gekleidet befand ich mich nun gegen ca 17:15 Uhr am Treffpunkt. Um 18:30 sollte es los gehen. Corinna und ich hatte Bärenhunger! Das letzte was wir gegessen hatten war ein Frühstücksbrötchen zur Abfahrt. Die Karte gab auch das ein oder andere leckere Gericht her – doch leider teilte uns die freundliche Bedienung mit, Küche erst ab 18 Uhr! ARGH!

Ich versuchte mich mit Radler satt zu bekommen – Bier ist schliesslich auch Nahrung – und es gelang mir die Zeit zu überbrücken J

Die anderen Lehrgangsteilnehmer trudelten ein, letztendlich auch der Trainer.

Dieser murmelte ein freundliches kleines Hallo in die Runde und zusammen mit den Organisatoren wurden die Gruppen eingeteilt.

Dann wurde verkündet: Wir fangen eine Stunde früher an! Also, 8 Uhr: Simone, Linde, Maike und Ulli! – ARGH zum 2. Erste Gruppe, 8 Uhr, na ja. 9 wär auch OK gewesen ;) aber „fremdschlafen“ ist eh nicht so unser ding, also schnell das Frühstück auf 6:30 Uhr bestellen und weiter dem Herrn Dibowski lauschen.

Dressur war abgesagt. Wir sind ja hier für einen Geländelehrgang, also keine Dressur. Ahja (Gelände haben wir zwar auch nicht, aber okay...) In mir machte sich ein Hauch von Enttäuschung breit. Versteht mich nicht falsch, Dressur ist nicht meine Lieblingsdisziplin, aber ich hätte es gut gefunden in allen 3 Disziplinen unterrichtet zu werden. Ausserdem würde sich die ausgesuchte Sonntagsdressurschabracke auch mal freuen, einen Pferderücken zu sehen ;)

Andreas Dibowski begann seinen Vortrag an diesem Abend, mit einem Bild: man sieht eine Reiterin auf einem Pferd, über einem Sprung.







Es scheint, als würde diese Geschichte nicht gut ausgehen. Doch dann die komplette Bildfolge, Absprungsituation, hängen bleiben mit der Vorhand, weiter rutschen über das Hindernis (Schräge Obstkiste am hang bergab zu springen) die Äpfel fliegen, der Pferdehals streckt sich lang über den Sprung, die Beine sind noch nicht zu sehen, Landephase, weit nach vorn, die Vorhand kommt unter dem Körper hervor, die Hinterhand als Folge des Rumplers kommt enorm nach oben, beinahe senkrecht kommt das Pferd auf den Vorderfüßen auf, schafft es die Hinterhand unter zu setzten und entkommt einem Sturz!

Wieso das geklappt hat, bekommen wir genau erklärt. Bereits in der Anfangsphase des Sprungs erkennt die Reiterin das es kein glatter Sprung wird, bleibt ruhig in der senkrechten, gewicht im Steigbügel, lässt den Zügel gleiten bis sie ihn nur noch an der Schnalle hält, in der Landephase ist sie noch immer weitgehend senkrecht mit Gewicht in den Bügeln. Das Pferd hat allerbeste Vorraussetzungen sich aus zu balancieren, die Reiterin ebenfalls.

Darum geht es. You Need a Oh-Shit-Sit-Position – Du brauchst eine Sitzposition die auch bei „oh scheiße“ Momenten stabil bleibt und schlimmeres verhindert.

Der Vortrag war leicht zu verfolgen, mit Fotos und anschaulichen Erklärungen untermalt und man hatte sofort Lust all diese Dinge an sich zu versuchen. Dibowski hatte einige Probleme mit seiner Cola, oder die Bedienung Probleme mit seiner Bestellung, das störte den Vortrag und die Ernsthaftigkeit der Situation sehr, ich wusste nicht wie ich das einordnen sollte... J ...Wir hatten die Möglichkeit Fragen zu stellen, Probleme zu schildern usw. Diskussionspunkte waren das aufwärmen der Pferde, ob durchs Genick oder nicht, ich klinkte mich ein mit dem Problem das Teba mir gern davon rennt. Idee - Nicht einsitzen, einsitzen ist auch druck. Meine Bemerkung, das ja irgendwann die nächste kurve kommt, konnte er nicht nehmen. Ein scharfes Gebiss aber ist der falsche Weg, das findet Teba ja auch und lässt sich damit von vorne herein schon nicht reiten (abgesehen von Schulen über der Erde)







Gespannt waren wir, als es am Samstag los ging. Frisch gestärkt vom leckeren Frühstück kamen wir im Reitsportzentrum an. Herr Dibowski ist ja kein böser Mann, er hat uns in aller Ruhe die Pferde satteln lassen während alle anderen Lehrgangsteilnehmer den Parcour aufbauten. Netter Zug von ihm, oder?



Nein, mal ehrlich, eine morgendliche Gemütlichkeit am Samstag um 7:30 Uhr sollte man jungen Mädels doch zugestehen – doch in der Hessenhalle war ein Mann ganz ausgeschlafen und forderte vollen Einsatz bereits beim Aufbauen und umlegen der Hindernisse. Nachdem er 2 Mädels in den Senkel gestellt hatte war der allgemeine gehorsam ins rollen gebracht. Ich ritt Teba die Runde und sie konnte sich in aller Ruhe an die Halle gewöhnen. Beim aufwärmen im Trab kamen die ersten forschen Korrekturen. Ich sollte mich ganz davon lösen das Pferd durchs Genick zu reiten, am längeren Zügel mit freiem Hals. Im Galopp verstärkte ich die lange Seite Dressurreiterlich ganz vorbildhaft – doch davon wollte Andreas Dibowski (im folgenden liebevoll nur noch „Dibo“) nichts wissen. Hoch mit dem Po, in den Wendungen um das innere Bein biegen und schön weiter vorwärts reiten, aber nicht zu schnell, deswegen immer wieder Wendungen. Im Galopp das selbe Spiel, Teba spielte es mit und nennt es „Das Hirsch-Spiel. Ich Trage meine Rübe hoch, drücke meinen Unterhals hinaus in die Welt und guck wie ein Hirsch in die Luft!“ – nein, nicht das was ihr denkt, kein weg gedrückter Rücken, kein starksiger Gang. Aber eben auch kein Runder Hals und keine Nase die sich v/a dehnt. Gewöhnungsbedürftig. Ich bemühe mich das Pferd allein durch Gewicht und Gedanken zu lenken. Nach und nach funktioniert es im Galopp besser als im Trab.







Noch bin ich nicht so recht überzeugt. Muss sich mein Pferd denn beim warm up schon mit langem Hals balancieren? Oder worum geht es hier? Dressur ist doch nicht etwa unwichtig, nur weil wir heute springen möchten? Ich lass es auf mich zu kommen, was da noch kommen will.

Zuerst kommt ein kleines Kreuz. Das klappt gut, doch Dibo findet „Das war ja Mist!“ Ich habe Teba aufgenommen und an den Sprung heran geritten. Soll ich mir abgewöhnen. Okay. Ich reite noch mal in meinem Everybodys-Darling-Leichter-Sitz an und reite schnurgerade über den Sprung hinweg. Dibo ist zufrieden. „Das war jetzt einigermassen okay!“ – soll ich jetzt stolz schon einen Zentimeter wachsen? Nein, ich warte noch etwas ab.

Nach der Lösungsphase kommen nun Reihen dran. 2x 4 Cavalettis an der langen Seite und später noch durch die Diagonale ein paar Sprünge. Ständer sind zum einfachen durchreiten aufgestellt, Übung für Linienführung und für später kommende schmale Hindernisse. Durchreiten eines Tores, Steilsprung aus dem Trab, weiter noch ein Tor, Steilsprung schrg, geradeaus noch ein Tor. Mein Erfolg: Wir haben alle Tore getroffen. Sein Urteil: Totaler Mist was ich da geritten bin! Immer wieder bekomme ich Korrekturen wie: „Keine Paraden!“ „Nicht hindrücken!“ „Cool bleiben!“ „Was machst Du denn da schon wieder?“ Immer wieder zwinge ich mich dazu noch viel stiller zu sitzen, nur noch ans lenken zu denken und gebe mir große Mühe es meinem Trainer recht zu machen. „DAS WAR TOTALER SCHEISS!“ lautet meine Korrektur. Etwas baff aber doch sehr neugierig, möchte ich wissen was ich getan habe. „Viel zu viel! Nicht aufnehmen nach der Reihe, sie soll doch weiter gehen!“ – Okay. Momo, ab sofort keine Parade mehr! Ich versuche es zu verinnerlichen und als ich erneut an der Reihe bin, mache ich wirklich wirklich nichtsss! Nur angaloppieren und um das innere Bein wenden, wenn ich wenden will. Meine Hände sind wie versteinert, mein Oberkörper kippt kaum mehr nach vorne, die Zügel sind so lang das Teba bequem über jeden Sprung kommt. Und ich bekomme den hauch einer Ahnung was er meint. Denn „Im Zeugnis würde stehen: Reiterin war bemüht!“ – es war wirklich okay, Teba ist nicht schneller geworden und nicht in der Kurve hingefallen. Ich kombiniere: zum Hindernis hin reiten und danach bremsen wollen ist falsch. Anfangen und aufhören ohne zwischendurch etwas verändern zu wollen. Nichts machen klingt einfach, ist aber totale Überwindung, und wer sich an den Lehrgang bei (ebenfalls Olympia) Hafemeister erinnert, der hat noch deutlich im Ohr wie man ein Pferd richtig rückwärts reitet, damit es zum Absprung ordenlich aus der Hinterhand kommt.



Zugegeben, etwas verwirrt und noch nicht genau wissend wo uns das hinführen soll sattelte ich Teba ab. Wir brachten sie in das Solarium das wir nicht hätten benutzen dürfen – Sorry noch mal dafür.



Wir versorgten Teba und leider verpasste ich Lisa, Pauline & Mareike, da sie direkt nach mir in der Gruppe waren. Soweit ich das beurteilen kann sind sie aber sehr gut zurecht gekommen. J

Wir tranken ein Gläschen Sekt, schnatterten mit unseren „Turnierfreunden“ (endlich sehen wir mal wieder unsere nette VS Clique!) und schauten dann der Profigruppe zu. Michaela Messerschmitt und ihre Sterne-platzierten Mitreiterinnen bekamen die Sprünge ordentlich hoch gezogen. Zu meiner Erleichterung sind auch in dieser Gruppe Korrektursätze gefallen, die ich in identischer Form auch zu hören bekommen hatte. Lag es nun daran das ich profifehler oder die Profis Anfängerfehler machen sei mal dahin gestellt, zumindest sind meine fehler nicht aussergewöhnlich negativ aufgefallen ;)







Mareike fuchtelte mit ihrer kamera herum und – natürlich – dachte ich sofort an die lieben Kamikazers, denen ich Bilder versprochen hatte und nun ohne Kamera in Alsfeld saß. Frau Highlihgt übernahm den Fotodienst der Kamikazers und ich sorgte dafür das die Kamera auch geladen war ;)

Die Vormittagsgruppen gingen zuende und der tolle Service der Organisatoren sorgte für ein 2. Frühstück. Draussen regnete es und es war richtig kalt, aber mit Kaffee und dem aufgeheiztem Stübchen konnte man die Zeit überbrücken. War eh nicht lang denn es ging ans umräumen. Alle in die halle und Stangen und Ständer rumtragen. Dabei wird einem wenigstens warm.

Nach einigen schmalen bauteilen (Die Springreiter kennen so was als Füllmenge in einem Sprung, wir nehmen es einzeln und springen darüber) kam auch Tebas Lieblingsgegenstand in die Hessenhalle: ein großer künstlicher blauer Wassergraben.





Das ist gut. Denn das müssen wir wirklich üben! Seit Jahren üben wir es und immer wieder ist es ein Problem. Aber Teba hat an Reife gewonnen und wir wollen ja dieses Jahr VA gehen. Ohne Coolness beim Wassergraben bedeutet das das Aus für 80% der Turniere. Aber Dibo wäre nicht Dibo wenn er einfach nur einen Wassergraben in die halle legt. Dahinter baute er noch einen Sprung, so wurde das Problem Wassergraben zum Problem In-Out mit Wassergraben. Aber macht ja nix, ich werde es einfach erstmal ohne Sprung versuchen. Muss mir da nix vormachen das Teba das auf anhieb macht. Sind ja hier nicht daheim!



Im Kamikaze-Outfit ritt ich kurze Zeit später ein, ein paar mal die Runde auf dem Hufschlag glotze sie schon panisch zu dem Plastikgraben und – profilaktisch – schon mal alles andere auch an als wären es Aliens. Später hatte lediglich ein schmales Element aus blauen Bauteilen noch einen Glotz-Effekt. Dieses, und der Graben. Bei dem versuch, links an dem Späneballensprung vorbei zu reiten und somit nur noch 2 statt 4 meter abstand zum Graben zu haben, machte Teba aus dem Schritt kehrt und galoppierte aus der Halle. Nananana, Mädchen, übertreib mal nicht.



Ich hatte genug Zeit sie anschließend noch in den 3 Gangarten überall am Wassergraben vorbei zu reiten, auch das blaue Stellteil war bis zum schluss nicht ohne Anspannung zu passieren. Erst als wir mit dem Springen anfingen, wurde sie langsam lockerer. Klar, wir sprangen ja auch nicht die gefährlichen blauen Monster J ...noch nicht.



Angefangen mit einem kleinen Sprung an der langen Seite, von C angeritten, dann zu C hingeritten – teba war lockerlässig in angenehmen Tempo. Dibo brachte gleich zu Anfang ein Lob an uns und ich dachte ich hätte was kapiert. – Muss aber Zufall gewesen sein, denn diagonal den Cavaletti-Oxer konnte ich schon nicht mehr anreiten. Oder genau das war der Fehler, das ich ihn anritt. Ein kurzer Guck-Moment der Stute wurde von mir mit tiefem einsitzen und energischem Bein beantwortet. Das wiederum führte zu explosivem Caramba hinter dem Sprung. OK OK ich erinnere mich: NICHTS TUN!

Momo, konzentrier Dich. Aber nein, es half nichts, auch wenn ich meine Hand stehen liess – Teba saußte mir davon. Dibo hatte eine logische Erklärung dafür: Du machst ja auch nix da oben! Lässt Dich hintragen und nach dem Sprung setzt Du dich rein und bist schon mit parieren beschäftigt. ..ja aber, ich dachte es geht darum, nichts zu tun. Dibo lachte, ich fühlte mich schwachsinnig. Wenn sie losrennt soll ich natürlich die Zügel an nehmen aber mich auf keinen Fall hinsetzten. Sitzen = Druck. (Ich hatte bisher gelernt: wenn sie losrennt, zum sitzen kommen, zum reiten kommen, an die hand galoppieren lassen.) Nungut, ich durfte es leider nicht noch mal versuchen wir machten gleich mit einer neuen Übung weiter. Die abgefragten Aufgaben konnte ich dennoch einigermassen erfülllen. „TOTAL SCHEISSE GERITTEN SIMONE!!!“ für mich war es ein Erfolg, mein Tebchen in einem leichthysterischen Zustand noch konzentriert und gehorsam bei der Sache zu behalten.

Dafür wäre auch keine Zeit gewesen, denn das Gruselthema Wassergraben wurde in Angriff genommen.

„Ihr kommt jetzt über die Späneballen, den Cavalettioxer, dann über den Deutschland-Steilsprung, dann Wassergraben und über den Deutschlandsprung dahinter.“



Meine Mitreiterin Maike hatte sich bereits ausgeklinkt, da ihr Pferd nicht so ganz wollte wie sie und Dibo lieber zum Ende noch mal 5 Minuten „ganz privat“ in Anspruch nehmen. Ich liess meinen Mitreiterinnen gern den Vortritt. Ritt Nr. 1: „Hab ich nicht gesagt Ihr sollt nach dem In Out noch das schmale Stellteil nehmen? WIESO REITEST DU DARAN VORBEI?“ ...ja äääh, weil es nicht gesagt wurde. .“Oh, na ja, hab ich nicht gesagt, gut OK.“ – Ritt Nr. 2: „ABER JETZT HATTE ICH ES GESAGT! Wieso reitest Du auch daran vorbei???“ ... jetzt wäre ich an der Reihe. Aber da es ein nicht zu überwindenes Hindernis für Teba dastellt und ich es nicht unnötig ausreizen will das sie verweigert, reite ich zu Dibo hin: „Die Stute hat schon immer Probleme mit Plastikwasser. Ich würde das gerne erst einzeln versuchen. Ohne Hindernis im Anschluss.“

„Wieso das denn? Reit doch einfach drüber!“

„Hm, na ja, ich denke nicht das wir das schaffen...“

„Klar: Nimm ihren Kopf schön hoch und drück sie hin und drüber!“

Wenn ich eines Hasse. Unmöglich finde. Nicht verstehe: wenn ein Reitschüler, bei einem fremden Trainer darum bittet, ein Hindernis entschärft zu bekommen, wieso wird das nicht gemacht??? Klar gibt es genug Hausfrauenreiter deren Pferde ganz sicher Angst vor Blau, Blumentöpfen, Plancken und Türen haben. Sicher muss man auch mal die Angst vor einer Höhe überwinden oder einfach einen Schritt weiter gehen – aber bitte bitte, wenn mein Trainer mich und das Pferd nicht kennt und ich um eine entschärfung für den ersten Versuch bitte – es gibt keinen Grund, mir das nicht zu billigen. Jeder Reitabzeichenbesitzer weiss schon, wer vorher sagt „Das klappt nicht“ das klappt dann auch nicht. – aber Dibo sagt „Das klappt!“ Und weil es für mich das größte aller Erfolge wäre, wenn es klappt und weil Teba ja kein baby mehr ist und irgndwann der Tag kommen muss an dem es auf anhieb klappt – wieso dann nicht heute an diesem Samstag? Ich nehme all meine Konzentration, wende zum Deutschlandsteil ab und reite für Deutschland! Teba springt, ich gebe ihr im Hals ein Stück nach, nehme meinen Po aus dem Sattel und als die Vorderfüße den Sand berühren hat sie schon ihre Verweigerung eingeleitet. Nur so viel vorwärtsbewegung wie unbedingt nötig um den Sprung zu beenden, dann steht die Kiste. Ich lieg halb auf dem Hals und muss mir erstmal meine kappe zurechtrücken... Nichts geht mehr. Teba geht nicht in die nähe des Grabens. Ich soll rückwärts richten so weit es geht und noch mal mit maximalem druck anreiten. Mein Maximaldruck reicht für 2 schritte Trab. Teba verdreht die Augen und ich ärgere mich. Ich ärgere mich, das ich diesem Pferd nicht den Spielraum gewähren kann den sie braucht. Sie braucht momentan einfach noch die Zeit, sich mit einem Gespenst ausseinander zu setzten. Sie muss ihr Herz vorauswerfen um hinterher zu springen. Wenn ich sie so von-jetzt-auf-gleich anreite, sie vorn hoch halte und versuche sie vor mir zu behalten, verliert sie ihr Herz auf dem weg zum Sprung und will nur noch eines: WEG! Ich bekomme sie keinen Schritt mehr in Richtung Wassergraben, Gerteneinsatz verbucht sie mit ducken, drehen und ansteigen. Dibos Tipps: weiter weiter weiter reiten, Hand dran lassen, nicht nach vorn fallen...“ – ich komm so nicht klar, ich hab so kein gutes Gefühl.

„Darf ich das vielleicht jetzt auf meine Weise versuchen?“

„Wie ist denn Deine Weise?“

„Naja, zuersteinmal ohne Sprung!“

Dibo baut den Sprung ab und lässt mich machen. Er lehnt sich an die Bande und beobachtet das treiben. „treiben“ ist ein gutes Stichwort, denn nachdem alles treiben zum Graben nichts nutzte lasse ich Teba am lockeren Zügel en bischen Traben, sie soll sich entspannen, sie soll ihren Hals zum gucken und balancieren haben. Doch sie streikt und will nicht in die Nähe. Im Schritt versuche ich sie Stück für Stück wieder so nah zu bringen wie sie beim warm reiten schon mal war. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis wir vor dem blauen Monster stehen. Teba in absoluter Fluchthaltung, beide Augen springen fast aus dem Kopf so glotzt sie das Ding an. „prima Tebchen, alles ist gut!“ Ich klopfe sie.

„Wieso lobst Du Dein Pferd???“

„Um sie zu beruhigen!"

„Die ist doch ganz ruhig!“

„Nein, sie hat Angst!“

„Unsinn! Sie hat keine Angst, die verarscht Dich!“

Ich ärgere mich in meinem Bauch über das was hier gerade passiert. Wieso interesisert sich ein Trainer nicht für unser Hauptproblem? Er könnte mich fragen, warum ich denke das Teba angst hat. Wie und wie lange wir an dem problem arbeiten. Wie Teba in der Regel reagiert und gearbeitet wird, was ich vor habe. – Aber er steht an der Bande und schaut (obwohl er theoretisch kleiner ist) von oben auf uns herab. Vermutlich denkt er „kindergarten!“ – vermutlich hat er recht. Er könnte Teba drüber drücken. Ich kann es nicht. Langsam entspannt sich mein Lieblingsstütchen und ich wende ab, trabe an, will drüber – aber Teba bremst wieder frühzeitig ab. Das seh ich nun auch nicht mehr ein. Ein energischer Klaps mit der Gerte. Sie atmet nur aus. Ich reite erneut an, sie macht einen Sprung über den Graben, einen über die Stangen die dahinter liegen und ich reite weiter über das schmale Stellteil. Dann auf Dibo zu. Er könne jetzt den Sprung einhängen wenn er will. Dibo will aber, das ich den Graben vorher noch mal von beiden Seiten springe. Darüber gesprochen haben wir nicht mehr.

Der weitere Verlauf dieser Unterrichtseinheit gestaltete sich wie bisher, meine Fehler wurden immer wieder angesprochen, ein Lob war nur selten zu bekommen, die Anforderungen waren höher als alles was ich bisher kennen gelernt hatte. Teba und ich meisterten alle weiteren Hindernisse und auch den Wassergraben jetzt auf Anhieb und ich war – egal was andere sagen – SAUSTOLZ auf die Maus. Denn ich kann beurteilen wie schwer das für sie noch ist.

Corinna kam uns entgegen, brachte Abschwitzdecke und Jacke. Sie war auch so stolz wie ich, und sie fand Dibo ganz schön blöd in dem Moment. Sie war so gespannt wie dieser Mann es lösen würde Teba über den Graben zu bekommen und konnte nur beobachten wie er an der Seite stand und zusah. Ich erzählte ihr, das ich es anfangs nicht entschärft anreiten durfte und auch meine Mitreiterin die sich mit in der „Abreitehalle“ befand, wir waren uns alle einig. Der Trainer kennt weder mich noch mein Pferd, so etwas ist nicht fördernd, ein Paar zu überfordern!

Wieder konnte ich die Folgegruppe nur zum Ende beobachten, aber es scheint bei unsern Nachwuchsreitern alles Problemlos verlaufen zu sein. Da wir eingefroren waren und ich unbedingt unter die warme Dusche wollte, verschwanden wir gegen 16 Uhr.

Zur Jahreshauptversammlung waren mehr als 70 Personen erwartet und der Raum füllte sich deutlich. Gesprächsthema No. 1 war natürlich der Lehrgang, die Teilnehmer waren sich uneinig was sie von dem ganzen halten sollten, einige hatten sogar das Ineresse an einem weiteren Vortrag von Dibo verloren.

Die Versammlung lief zügig aber interessant ab, mit großem bedauern erfuhen wir das unser IGV-Engel Doritt samt symphatieträgerin Juliane das schöne Hessen verlassen werden. Ich wünsche für die Zukunft alles gute und freue mich schon die 2 Ladys in Waitzrodt wieder zu sehen! J (an diese Stelle platz für einen kleinen Aufruf: Die IGV sucht eine/n Nachfolger/in für update und pflege der Homepage und der Magazine, sowie für all die anderen kleinen und großen Dinge, die Doritt übernommen hatte. www.igv-hessen.de)

Nachdem auch die Blumensträuschen verteilt wurden (Die E-Nachwuchsreiter wurden für ihre Erfolge geehrt...) kam Dibo in den Saal und machte sich startklar für seinen Vortrag. Um Olympia soll es gehen hatten wir erfahren. Ich für meinen Teil war neugierig. Andere interessierten sich mehr für sein Getränk ;o)

Auf dem Beamer erschienen Fotos aus dem Olympialager. Gespickt mit Hintergrundinformationen über Training und Karantäne ging es los bis wir an dem Tag angelangt waren der zur Streckenbesichtigung genutzt wurde. Jedes Hindernis von Anfang an wurde gezeigt, der Weg und die Technische Schwierigkeit erläutert. Wirklich ausgesprochen interessant mit einem Olympiareiter den Parcour virtuell ab zu gehen. Danach wurden uns Originalaufnahmen einiger Reiter gezeigt, auch hier immer wieder der Kommentar des Trainers was besonders richtig, und was vielleicht nicht ideal verlaufen war. Dann der Ritt von Hinrich und Marius. Wahnsinn, jetzt waren alle wie gefesselt und ich glaube jeder verstand nun worum es ging. Marius Galoppiert los und es wirkt als würde das Zügelmaß kein einziges mal korrigiert werden, nicht vor und nicht nach dem Sprung, einfach alles als wäre es das einfachste von der Welt. Ich war begeistert und sah die Ritte aus anderen Augen mit viel mehr theoretischem und technischem Verständnis. Die Teilnehmer die bislang noch einen Zweifel an den Korrekuren vom Tag hatten waren nun alle auf der richtigen Fährte: Da wollen wir hin, und alles was Dibo sagt und wir umsetzten, bringt uns ein Stück weiter. Toll, es war einfach fantastisch.

Mindestens ebenso fantastisch die Tatsache das im Gespräch mit Dibo zur Sprache kam, das die Pferde nach dem Geländeteil zwischen 60 und 90 Minuten Schritt geführt werden. Pferde die zum Tying Up (zu Deutsch Kreuzverschlag) neigen, werden vorher kurz ausgetrabt. Alles klingelte, Teba neigt zu dieser schrecklichen Erkrankung und hier „so nebenbei“ erfahren wir was uns kein Tierarzt hatte sagen können: nach starker Belastung mindestens 1 Stunde Schritt gehen lassen und die Gefahr eines Verschlags wird verringert. Alleine diese Information macht den Lehrgang zu einem absoluten Erfolg!

Sonntag wurden die Gruppen neu gemischt und zu meiner Freude war ich erst um 11 dran und gemeinsam mit Pauline in eine Gruppe gerutscht .

In der Halle waren hecken, schmale Elemente, der Wassergraben und Steilsprüge & Oxer. Nachdem wir in der kleinen Halle die Pferde bereits warm geritten hatten ging es auch gleich los. Ich hatte noch alle Informationen vom Vortag gespeichert und gab mir enorm viel Mühe alles um zu setzten. Die ersten kleinen Aufwärm-Touren fühlten sich einfach himmlisch an! Teba pullte nicht, zuckte nicht, es war wie an der Schnur gezogen. Erst als komplizierte Wege und guckige schwere Hindernisse hinzu kamen, konnte ich den Trainer nicht mehr zufrieden stellen, störte Teba und machte Fehler. Ein anderer Trainer wäre sicher zufrieden, denn wir sind überall durch gekommen. Aber so nicht Dibo, er wollte es perfekt. Wir arbeiten dran!

Abschliessend mus sich sagen, dieser Trainer ist nur etwas für selbstbewusste Reiter und nichts für unerfahrene Pferde (also, da ssicherlich auch aber eher dann über einen längeren Zeitraum und kein 3tages Lehrgang in der Gruppe) ich würde gerne nocheinmal bei ihm reiten und werde mir die Korrekturen sicherlich wieder in Erinnerung rufen. Schauen wir mal, ob Teba mitspielt J



Eure Momo

Eure Momo