24.12. - Jackomos heiliger Abend

Jackomos heiliger Abend

Da ich durch meinen Ganztags-Job mein Pferd im Winter oftmals nur im Dunkeln sehe, versuche ich ihn an den freien Tagen irgendwie anders zu beschäftigen als in der Halle. So kam es, dass Corinna und mir bei Minus 15 Grad und einem kurzen Ausritt beinahe die Finger und Füße abgefroren wären, und so kam es, dass ich mir für den Morgen des 24.12. fest vorgenommen hatte ihn auf den Matschpaddock zu lassen.

Da meine Schwester, das Christkind, sich diesen feierlichen Tag zum geboren werden ausgesucht hatte, habe ich immer viel vorgenommen: Geburtstagsbrunch, Weihnachtsbaum schmücken, viel viel Essen und natürlich die Bescherung und andere Bräuche :)

Jackomo wurde also an diesem Tag in den Morgenstunden besucht. 9 Uhr, alles ziemlich kalt und der Weg zum Stall recht glatt. Um mein Pferd-kommt-Raus vorhaben nicht streichen zu müssen, testete ich den Boden vom Paddock. Gefroren ja, aber nicht knüppelhart. Jackomo ist keiner der masslos übertreibt, also entschied ich ihn auf den Paddock zu stellen.





Juhuuu los gehts!

Bewaffnet mit der Kamera liess ich ihn gewähren und beobachtete sein Prusten, Schnorcheln und Toben.


Das Leben ist schöööööön Attacke!


Ich sehe was was Du nicht siehst...


...ich renn lieber davor weg :-D





Nachdem er keine Lust mehr hatte sich zu bewegen, verkroch er sich in die hintere Paddockecke und angelte nach ein paar Halmen.

"Los Ria, hol den Jackomo!" schickte ich mein Hundchen und sie flitzte hin und bellte wie sie konnte. Nachdem die Lärmbelästigung überhand nahm, machte Jackomo nen Kragen und setzte sich in Bewegung.





Ria in Action ;-)

Aber - ach-du-Schreck - er trabte auf eine größere Pfütze zu und schon begann die Rutschpartie. Ich machte mir fast in die Hosen aus Angst er macht ne Bruchlandung, doch Jackomo spreitzte die Vorderbeinchen wie ein Ski-Springer, balancierte mit dem Hals und die Hinterfüßlein waren vorsichtiger Motor... Sekunden des Bangens, aber er kam heile am "anderen Ufer" an.


Eieieiei du Eierloch, komm mir nach und hol mich doch ...


Ich krieg Dich Du kleine.... oh shit wasn hier los?


...jetzt blos keinen Fehler machen ...


...Schritt für Schritt...


Hier ein Bild der flüchtenden Schuldigen, stark vergrößert aus der Überwachungskamera...


I survived Eispfütze!


Jetzt spiel ich nicht mehr mit!

Mannometer, ich habe den vorderen Teil des Paddocks mit seinen kleinen Pfützen auf Trittsicherheit geprüft, aber hinten die große Pfütze hatte keine Lust unter 660kg Gewicht zu brechen.

Nicht daran denken was gewesen wäre, wenn er im Galopp drauf gekommen wäre :-O
Aber im Nachhinein muss ich auch zugeben: Sah urkomisch aus :-P


Ein Herr Huber im Nebel

Nach intensiver Untersuchung seines Gemütszustandes war ich aber sicher er ist wohl auf :)
Schon war es Zeit ihn in seine Box zurück zu stellen und zack-zack um 10:30 Uhr wollte ich in Frankfurt bei meiner Schwester einlaufen!

Ihr fragt euch sicher wieso der Bericht nun noch weiter geht???

Um ca 14 uhr erhielt ich einen Anruf, dass es Jackomo nicht gut ginge. Kolik. Meine lieben Stallkolleginnen waren so aufmerksam und bemerkten das er flehmte und auf seinem Paddock lag. Deutliches Anzeichen dafür das etwas nicht stimmt. Sabine und Bianca leisteten erste Hilfe und ich stürmte von der Feier zurück in den Stall. Auf dem Weg alarmierte ich eine Tierärztin und hoffte auf eine harmlose Kreislaufkolik o. Ä.

Im Stall angekommen übernahm ich mein Pferd und führte es bis zum Eintreffen der Ãrztin.

Jackomo flehmte jämmerlich und schaute leidend drein. Armer Hubi.

Nach kurzer Untersuchung stellte die Ãrztin fest, das sein Kot knüppelhart und somit keine harmlose Verstopfungskolik sei. Sie empfahl mir den Weg in eine Klinik und ich solle mir überlegen, ob ich ihn operieren lassen würde!

BUMMS wie ein Schlag ins Gesicht! Operieren? Ich glaube jeder Pferdebesitzer hat sich schon so seine Gedanken was-wäre-wenn gemacht und Kolik OPs sind ja ziemlich heikel... nun musste ich mich entschieden.

ich schaute meinem Bub in die Augen und wusste, er würde bis zum letztem Atemzug kämpfen und ich entschied mich mit ihm zu kämpfen!

Postwendend machte ich mein Gespann startklar und in Stöckelschuhen und festlicher Aufmachung sauste ich in die Klinik in Gelnhausen. Vielleicht nicht die erste Adresse für Kolik OPs, aber ich vertraue den Ãrzten dort und hatte Hoffnung, dass es so weit nicht kommen würde.

Am Weihnachtsvorabend stallte ich meinen völlig eingefallenen Hubi in der Klinik ein und ihm wurden nebst Medikamenten ca. 30 Liter Infusion zugeführt. Ganz tapfer war mein Bub.

Nun hiess es warten. In ca. 4 Stunden ist alle Flüssigkeit drin und dann sehen wir weiter.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich die nächsten 4 Stunden wie ferngesteuert war und endlich, endlich konnte ich anrufen.

Sein Zustand verbesserte sich, aber übern Berg sei er noch nicht. Um 23 Uhr belästigte ich wieder meinen Tierarzt. Und um 3 Uhr wieder. Erst am nächsten Morgen um 8 uhr konnte ich aufatmen.
Der große Kerl hats geschafft sich zu berappeln. Noch eine Nacht zur Beobachtung und am 26.12. konnte ich ihn wieder abholen.

Wir vermuten, dass das Piensbäckchen Jackomo keinen Appetit auf das kalte Wasser hatte, aber umso mehr auf sein leckeres Stroh. Das fand sein Darm aber doof... manchmal überlege ich echt wie Pferde jemals in freier Wildbahn überleben konnten... aber ich bin heilfroh, dass die Tierärzte meinem Schnuckelpferdchen helfen konnten. Danke nochmal an die aufmerksamen Beobachterinnen!

Was ein Erlebnis am heiligen Abend!

Hab Dich lieb Jackomo :-)