22.11.2007 - Jagdreiten in England

Jagdreiten in England, ein endlich gelebter Traum !

Am 22.11. war es nun endlich so weit und ich konnte meinen Kindheitstraum verwirklichen.

Ich flog nach England zu einer richtigen Fuchsjagd zu Pferde.

Da ich mir diesen Traum schon lange erfüllen wollte, aber nie richtig an die Sache ran ging, nahm meine Frau das ganze in die Hand und organisierte es, dass ich mit meinem Reitkumpel Rainer und 2 weiteren Reitern nach Broadway, nordwestlich von Oxfort zum „Foxhunting“ aufbrach. Dies war das Geschenk meiner Familie und Freunden zu meinem 40. Geburtstag.
Wir sind gegen Mittag in London gelandet und haben uns dort einen Leihwagen genommen, mit dem wir dann zu unserem Quartier nach Broadway fuhren. Die Fahrt dauerte ca. 2 Stunden und es war einfach toll, die Landschaft mit Ihren alten Farmen zu sehen. So bekam ich schon einen leichten Vorgeschmack, was mich an Hecken und Steinmauern erwarten würde, die es bei der Jagd zu überspringen gilt. Gegen 17.00 Uhr englischer Zeit (18.00 Uhr bei uns) erreichten wir endlich Broadway und sind dort als erstes zu Jill Carenza Equestrain Ltd gefahren, den Stall von dem wir unsere Pferde bekommen sollten. Nachdem wir mit Jill alles geklärt hatten, ging es Richtung Hotel und wir konnten einchecken. Das Hotel „The Lygon Arms“ war ein Urtypisches, englisches und sehr altes Gemäuer, was mich total faszinierte. In den Gängen knarrte der Holzboden und an den Wänden waren überall Bilder von Huntern zu sehen. Jeder Raum des Hotels war mit einem offenen Kamin versehen, was dem ganzen noch einen rustikalen und gemütlichen Beigeschmack gab. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, gingen wir etwas essen um uns für den morgigen Tag zu stärken.

Dieser Tag kam sehr schnell und ich war völlig aufgeregt, was mich heute alles erwarten würde. Um 9.00 Uhr trafen wir uns am Stall von Jill und folgten dann dem Lory (LKW für 4-6 Pferde) bis in den Ort Lebury, in dem die Jagd hinter den Ledbury Foxhounds starten sollte. Dort angekommen, bekam jeder von uns ein Pferd und wir ritten auf eine Farm zum Stelldichein. Wir waren zu viert und hatten pro Tag für jeden Reiter 2 Pferde bestellt, da eine solche Jagd bis in die Abendstunden hinein geht und die Pferde gegen Mittag getauscht werden müssen. Die Leute waren sehr nett und meine erste Scheu legte sich nach ein paar Portwein schneller als gedacht. Zum essen bot man uns diese typischen englischen Würstchen an, von denen ich aber nur abraten kann, da sie schmecken wie Sägemehl. Einer der Houndsmen hielt eine kurze Ansprache und dann ging es los. Wir sind den Hunden im Schritt gefolgt, bis diese dann plötzlich nach kurzer Zeit einen Fuchs gewittert hatten und die Spur aufnahmen. Nun galoppierten die Houndsmen ( 5 ) los und folgten den Hunden. Unser Feld wurde von einem Fieldmaster geführt, der genau wusste, wo er hin zu reiten hat, um den Hunden nicht ins Gehege zu kommen. Er galoppierte also auch an und wir mussten folgen. Jetzt ging der Wahnsinn los, da hier nicht wie bei unseren Jagden hintereinander sondern nebeneinander über die Weiden gedonnert wird. Als hätte ich es geahnt, kam natürlich auch gleich im ersten Run ein Weidenzaum mit Graben.





Ich konnte weit und breit kein Tor sehen, durch das ich hätte reiten können, also hieß es Augen zu und durch. Ich hatte ein top Pferd, das den ersten Sprung super gemeistert hat und somit war die Angst so gut wie weg.

Wir folgten jetzt mehrere Stunden dem Fuchs und durchritten so manch eine schöne Gegend.

Gegen 14.00 Uhr tauschten wir dann die Pferde und ich bekam wieder ein tolles Pferd. Da wir aber etwas länger beim Wechsel benötigten, haben wir den Anschluss verloren und mussten das Feld suchen. Keiner wusste wo wir waren und schon gar nicht wo die Anderen sind. Aber wir hatten Glück und nach ca. 20 Min. hatten wir sie wieder gefunden. Der Tag neigte sich nach langen Runs und einigen Hecken dem Ende und ich war nicht böse drum, da mir die Knochen weh taten und es mittlerweile dunkel und sau kalt geworden war.

Wir sind dann mit einem Farmer, der auch mit geritten ist auf sein Anwesen gefolgt und haben von dort unseren LKW angerufen, der uns und die Pferde dann kurz darauf abgeholt hat. Das war meine erste, richtige Fuchsjagd.








Der 2. Tag:

Der Samstag begann eigentlich genau wie der Freitag mit einem guten Frühstück und dem Treffen bei Jill am Stall. Die Pferde waren schon verladen und wir konnten sofort aufbrechen. Heute sollte es hinter der Elite der Foxhounds, den Heythrop Huntinghounds her gehen.

Wir fuhren ca. 1 Stunde bis nach Lyneham zum Stelldicheinplatz, wo wir dann unsere Pferde ausgeladen haben. Dort angekommen, waren schätzungsweise 100 Reiter, die an der Jagd teilnehmen wollten. Wie auch schon am Tag zuvor, gab es einen Begrüßungstrunk und einen kleinen Snack. Nachdem einer der Houndsmen seine Ansprache gehalten hatte, sollte es gleich losgehen. Wir ritten nicht wie am ersten Tag im Schritt los, sonder galoppierten gleich an und donnerten über eine Wiese, die mit Trainingssprüngen gespickt war. Das hatte zur Folge, dass wir gleich am Anfang ein paar schöne Klötzer zu springen hatte um auf das offene Feld zu kommen auf dem die Hunde schon die Spur eines Fuchses aufgenommen hatten.

Dieser folgten wir sehr zügig und ich hatte so langsam verdaut, dass ich beim ersten Sprung, einem Absprung, fast das fliegen gelernt habe.

Nun kamen wir durch den Fuchs von einer Weide auf die andere und durchritten auch so manche Farm, was ein tolles Erlebnis für mich war. Bei einem Run hatten wir eine breite Front von ca. 100 m auf der im gestreckten Galopp nebeneinander über die Wiese donnerten, wie einst Blücher mit seinen Soldaten. Es war einfach geil. Nach und nach verließen uns dann immer mehr Reiter, die dann einen so genannten Homerun machten. So nennt man es, wenn sich die Reiter von dem Feld in Richtung nach Hause verabschieden. Dieses kann jederzeit geschehen und wird mit einem „good Night everybody“ mitgeteilt. Nachdem wir auch an diesem Tage unsere 2. Pferde bekommen hatten, ging es dann sofort weiter. Dieses mal waren wir nicht pinkeln und hatten das Feld somit auch nicht verloren. Es kamen wieder ein Paar schöne Runs mit tollen Sprüngen, ich schätze es waren insgesamt 50-60 Stück und wir hatten sehr viel Spaß. Leider begann es dann zu regnen was zur Folge hatte, dass es immer kälter wurde und dass wir immer weniger Reiter waren. Für uns war das natürlich kein Grund um einen Homerun zu starten weil, Fuchsjagd und Beerdigungen werden bei jedem Wetter durchgezogen. Als es aber dann gegen 16.30 Uhr dunkel wurde, war es nicht mehr möglich weiter zu jagen und wir sind zu unserem LKW zurück geritten. Dieses Stück war das anstrengenste von allen, da wir ca. 6 Km getrabt sind. Nun war auch meine 2. Jagd zu ende und ich war heilfroh, dass ich ohne Sturz und gesund wieder zurückgekommen bin. Nachdem wir die Pferde verladen hatten, sind wir erst einmal in den nächsten Pub und haben ein schönes Bier getrunken.

Das Fazit dieser 2 Tag ist eigentlich sehr schnell zusammen gefasst.

Das Jagdreiten in England ist viel anstrengender, rasanter und aufregender, da man nie weiß, was auf einen zukommt und in welche Richtung der Fuchs läuft. Es ist auch im Gegensatz zu unseren Schleppjagden viel schneller und jeder ist für sich selbst verantwortlich, das heißt, wenn jemand stürzt bleibt nicht das ganze Feld stehen sondern man muss zusehen, dass man wieder auf das Pferd kommt um den Anschluss nicht zu verlieren. Sollte man sich bei einem Sturz verletzen, bleibt natürlich ein oder zwei Reiter bei dem Verletzten bis Hilfe da ist und dann geht es weiter. Ich muss sagen, es hat mir super gefallen und ich kann es nur weiter empfehlen. Wer das noch nicht erlebt hat, kann es sich nicht vorstellen, wie dieses geile Gefühl ist über englische Weiden und Farmen zu reiten. Ich habe noch ein Paar Bilder angehängt, die euch vielleicht ein wenig weiterhelfen sich vorzustellen wie es war.





















Euer ehemaliger Ortsbelmondo